Au cas où #2
Taysir Batniji
Mit Au cas où #2 setzt Taysir Batniji seine eindringliche Auseinandersetzung mit Verlust, Exil und der Fragilität des Zuhauses angesichts geopolitischer Gewalt fort.
Die Arbeit besteht aus 90 Fotografien von Schlüsseln, begleitet von handschriftlichen Zeugnissen von Menschen, deren Häuser in Gaza durch Bombardierungen zerstört wurden. Der Schlüssel, ein wiederkehrendes Motiv im Werk des Künstlers, erscheint hier als ambivalentes Symbol: als Hoffnung auf eine unmöglich gewordene Rückkehr, als materielle Spur eines ausgelöschten Ortes, als stummer Zeuge eines unterbrochenen Lebens.
Jedes Bild ist mit einer präzisen biografischen Notiz verbunden (Name, Ort, Datum der Zerstörung, Vertreibung) und verankert die Arbeit in einer schmerzhaften Chronologie, in der sich das Persönliche und das Politische unweigerlich verschränken. Indem Batniji diese unscheinbaren Alltagsobjekte dokumentiert, schafft er nicht nur ein Archiv der Katastrophe, sondern eine sensible Kartografie der Enteignung, die den individuellen Geschichten ihre Sichtbarkeit zurückgibt – jenseits statistischer Abstraktion und geopolitischer Rhetorik. Die fotografische Geste wird so zu einem Akt des Widerstands und der Erinnerung.
Im Kontext der Bieler Fototage lädt Au cas où #2 zu einer Reflexion über Verletzlichkeit als politische Bedingung ein – und zugleich als Ort von Erinnerung, Würde und Fürsorge. Zwischen Bild und Text, Abwesenheit und Spur, öffnet sich ein Raum des Innehaltens, der daran erinnert, dass hinter jeder Zerstörung ein Leben, ein Zuhause und eine Geschichte steht.
Hesrtellungsjahr: 2024
In Zusammenarbeit mit Sfer-Semler Gallery
© Taysir Batniji und Sfer-Semler Gallery Beirut/Hamburg