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Journées photographiques de Bienne, 9.-31.5.2026

Le tissage du vivant
Dominique Bartels

Mit Le tissage du vivant entwickelt Dominique Bartels eine sensible Auseinandersetzung mit den agropastoralen Praktiken des Berner Juras. Im Zentrum stehen die Gesten des Scherens und Melkens, verstanden als Momente der Begegnung, der Weitergabe von Wissen und der Verantwortung gegenüber demLebendigen. Ihr Projekt untersucht die Beziehungen zwischen Menschen, Tieren und Landschaften in einem Gebiet, das über Jahrhunderte hinweg durch Viehzucht, handwerkliches Wissen und Formen des Zusammenlebens mit der Natur geprägt wurde.


Im Berner Jura zeichnen offene Weiden, abgelegene Höfe und eine lange Tradition der Käseherstellung ein Landschaftsbild, in dem der Alltag von einer kontinuierlichen Aufmerksamkeit für die Tiere bestimmt ist. Die Gesten des Scherens und Melkens, wiederholt von Saison zu Saison ,erzählen von einerländlichen Ökonomie, die auf Nähe zum Tier und auf der Weitergabe von Wissen beruht. Durch ihren Blick macht Dominique Bartels die Komplexität dieser Beziehungen sichtbar, die von Fürsorge, Verbundenheit und Organisation des Alltags geprägt sind. Heute ist die Schafhaltung kein bedeutender wirtschaftlicher Motor mehr. Vielmehr besteht sie als fragile Praxis fort, die zum Erhalt der Landschaft beiträgt und zugleich Wissen und Erfahrungen weitergibt. Diese Verschiebung – von einer produktionsorientierten Ökonomie hin zu einer Ökonomie der Aufmerksamkeit – verändert die Bedeutung dieser Gesten in der Gegenwart.

Wolle und Milch erscheinen dabei als relationale Materialien. Sie entstehen aus notwendigen Handlungen gegenüber dem Tier und werden zugleich zu zentralen Elementen regionaler Ernährungskulturen und lokaler Wirtschaft. Historisch reicht die Präsenz von Schafen im Berner Jura mehrere Jahrhundertezurück und hat die Landschaft sowie die Nutzung des Bodens entscheidend geprägt. Diese Geschichte wirkt bis heute nach und verbindet Tradition mit gegenwärtigen Veränderungen. Die fotografische Untersuchung von Dominique Bartels versteht sich als Werkzeug der Beobachtung und der Verbindung: zwischen Menschen und Tieren, zwischen landwirtschaftlichen Praktiken und zeitgenössischen Vorstellungen, zwischen sinnlicher Erfahrung und Wissensproduktion.

In ihrer Ausstellung entwickelt die Künstlerin eine erweiterte Perspektive, die BesucherInnen dazu einlädt, physisch in diese agropastorale Landschaft einzutreten. Eine immersive Installation – insbesondere ein Film, der für drei Bildschirme konzipiert wurde – verbindet Fotografien, bewegte Bilderund Klanglandschaften. Der Blick richtet sich nicht mehr auf ein einzelnes Bild, sondern bewegt sich im Raum und begegnet der Gleichzeitigkeit von Gesten, Körpern und Landschaft. Das Projekt wird so zu einer sensiblen Umgebung, in der sich die Beziehung zwischen Menschen, Tieren und Landschaften in Dauer, Wiederholung und Erfahrung entfaltet.

Die Arbeit entsteht im Rahmen der 2ᵉ Enquête photographique Jura bernois (2024–2027), einer Zusammenarbeit zwischen den Bieler Fototagen, Mémoires d’Ici und den éditions Intervalles. Diese Initiative bringt KünstlerInnen, Institutionen und BewohnerInnen zusammen, um einezeitgenössische Erinnerung des Territoriums zu entwickeln. Indem Dominique Bartels das Schaf wieder ins Zentrum des Blicks rückt, lädt sie dazu ein, unsere Beziehung zum Lebendigen neu zu denken: nicht mehr nur als Ressource, sondern als gemeinsame Geschichte von Koexistenz, gegenseitiger Abhängigkeit und geteilter Verletzlichkeit.

Der Berner Jura wird so zu einem Ort der Reflexion, an dem sich eine zutiefst zeitgenössische Frage stellt: Was bedeutet es heute, mit dem Lebendigen zu leben  und wie können wir für es Sorge tragen?

Co-Kuratorin: Sarah Girard

Gewinnerprojekt der 2. Enquête photographique Jura bernois.
Die Enquête photographique Jura bernois 2024-2027 ist eine Zusammenarbeit zwischen der Bieler Fototagen, dem Verlag Editions Intervalles, der Stiftung Mémoires d’Ici und dem Rat des Berner Jura.

Lesen Sie das Interview mit Dominique Bartles, das 2025 geführt wurde: Interview

Hesrtellungsjar: 2024-2026

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Zugehörige Veranstaltungen
9.—9.5.26, 15:00 (fr/de/en) / Le Grenier Dachstock

Podiumsdiskussion und Buchvorstellung von Dominique Bartels (2. Enquête Photographique Jura bernois)

Vernissage der Ausstellung Le tissage du vivant und der im Rahmen der 2. Enquête photographique Jura bernois 2024–2027 entstandenen Publikation. Im anschliessenden Gespräch werden die in der Ausstellung behandelten Themen in Anwesenheit der Preisträgerin Dominique Bartels erörtert. Mit Le tissage du vivant, untersucht die Künstlerin die Gesten des Scherens und Melkens und legt ein Territorium frei, das aus vielschichtigen Beziehungen zwischen Mensch, Tier und Landschaft hervorgegangen ist. Sie befragt die Kontexte, in denen sich diese Praktiken weiterführen, im Spannungsfeld von Erinnerung und Transformation.

In Anwesenheit der MitarbeiterInnen der 2e Enquête photographique Jura bernois :

Sylviane Messerli, Mémoires d’Ici (Forschungs- und Dokumentationszentrum des Berner Jura)
Jean-Marie Hotz, Editions Intervalles (Kulturzeitschrift für den Berner Jura und Biel)
Mélanie Cornu, Conseil Jura bernois
Sarah Girard, co-curatrice (Direktorin des Festivals von 2018 bis 2025)

Moderation :

Sarah Zürcher, Direktorin des Festivals

Orte

Le Grenier Dachstock

Le Grenier
Obergasse 1
2502 Biel/Bienne

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