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Journées photographiques de Bienne, 9.-31.5.2026

Magic Carpet & Bomb A
Angela Marzullo

Angela Marzullos Arbeit reiht sich in eine lange Geschichte feministischer Mobilisierungen ein, in denen der Körper gleichzeitig Ort der Emanzipation, Fläche für Forderungen und Raum des Widerstands wird. Mit ihren Bildern und Performances reaktiviert die Künstlerindie Erinnerung an kollektive Kämpfe und konfrontiert sie gleichzeitig mit der heutigen Realität. Dabei zeigt sie, dass Herrschaftsverhältnisse nach wie vor bestehen, und es immer wieder notwendig ist, den öffentlichen Raum neu zu besetzen. Sie hinterfragt sozialeNormen, die Anforderungen an den weiblichen Körper und die Machtmechanismen, die den öffentlichen Raum, die Geschichte und die kollektive Vorstellungswelt durchziehen.

Die Frauenproteste in Washington, London und Genf bilden einen wichtigen historischen Hintergrund für diese Interpretation. Von der Woman Suffrage Procession 1913 in Washington über die grossen Suffragettenmärsche in London zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis hin zu den späteren Mobilisierungen in der Schweiz, wo das Frauenwahlrecht erst 1971 erreicht wurde, haben diese Bewegungen eine politische Vorstellungswelt geprägt, die auf Sichtbarkeit, Solidarität und der Kraft der Gemeinschaft basiert. Marschieren, die Strasse besetzen, den Körper im öffentlichen Raum sichtbar machen: All dies sind grundlegende Gesten, die zu Vorbildern des Widerstands geworden sind. Im aktuellen Kontext der Vereinigten Staaten hallt diese Erinnerung mit beunruhigender Aktualität nach: Die Infragestellung der Frauenrechte, der Rückschritt beim Recht auf Abtreibung und die politischen Versuche, das Wort „Frau” zugunsten einer angeblich neutralen, aber zutiefst ideologischen Terminologie zu neutralisieren oder zu löschen, sind Teil einer breiteren Bewegung zur symbolischen Unsichtbarmachung des Weiblichen im öffentlichen und rechtlichen Raum. Diese Spannung zwischen historischen Errungenschaften und aktueller Verletzlichkeit unterstreicht die nach wie vor bestehende Fragilität der errungenen Rechte.

In diesem Zusammenhang stehen die Werke von Angela Marzullo (sei es die Interventionen von Magic Carpet oder das Projekt Bomb A) in einem Dialog mit diesem Erbe, ohne es zu erstarren. Sie verschieben Symbole, spielen mit Codes und verwandeln Archive in lebendige Gesten. Der weibliche Körper wird hier keineswegs auf eine passive Figur reduziert, sondern wird zum politischen Subjekt, das in der Lage ist, die vorherrschenden Narrative zu unterlaufen, zu verunsichern und neu zu formulieren.

In Magic Carpet wird der Teppich, ein Haushalts- und Dekorationsobjekt, zu einem performativen Raum des Widerstands, in dem sich der weibliche Körper Symbole und Territorien wieder aneignet. Diese Interventionen spielen mit einer subtilen Verschiebung zwischen Hommage, Ironie und kritischer Neuschreibung und offenbaren die Durchlässigkeit zwischen militantem Erbe und zeitgenössischen Herausforderungen. Die Fragilität der exponierten Körper, die Prekarität der Rechte, aber auch die Kraft gemeinsamer Gesten bilden den Kern dieses Werks, in dem Erinnerung und Präsenz miteinander verwoben sind, um einen kritischen, poetischen und zutiefst politischen Raum entstehen zu lassen.

In Bomb A radikalisiert die Künstlerin diese Spannung zwischen Verletzlichkeit und Macht. Der Körper wird dabei gleichzeitig zur Projektionsfläche, zum Instrument des Protests und zum Ort offenbarer Zerbrechlichkeit. Angela Marzullo bedient sich des Humor, der Provokation und des Spotts, um normierte Darstellungen des Weiblichen zu destabilisieren und gleichzeitig die Gewalt der Strukturen aufzudecken, die unsere Wahrnehmung prägen. Weit entfernt von einer Opferhaltung bekräftigt sie eine Dynamik der Selbstermächtigung, in der Lachen zu einer politischen Strategie und das Groteske zu einer kritischen Waffe wird.

Die in Biel vorgestellten Werke bieten eine feministische Lesart von Verletzlichkeit als Handlungskraft, aber auch als Fähigkeit, die Zurschaustellung des Körpers in einen Akt der Fürsorge, des Widerstands und der Solidarität zu verwandeln. Die geplante Ausstellung verbindet Bilder, performative Dokumente und visuelle Spuren. So wird die performative und kontextuelle Dimension dieser Werke deutlich, während das Publikum zu einer aktiven Reflexion über die Beziehungen zwischen Sichtbarkeit, Macht und Emanzipation angeregt wird.

So schafft Angela Marzullo mit ihrer Arbeit einen Raum, in dem Erinnerungen an Kämpfe, Kritik an Normen und die Neuerfindung politischer Gesten aufeinandertreffen und damit die engagierte, reflexive und sensible Dimension dieser Ausgabe der Bieler Fototage unterstreichen.

Herstellungsjahr:

Magic Carpet: 2017-
Bomb A: 2017

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