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Journées photographiques de Bienne, 3.–26.5.2024

Sunburns
Claus Stolz

Die Fotos der umfassenden Werkserie «Sunburns» sind nicht Abbilder real existenter Objekte, sondern Spuren eines Zerstörungsprozesses durch die Sonne. Claus Stolz experimentiert dabei mit einer radikalen, eigenwilligen Form der analogen Fotografie. Er richtet seine Kamera nicht auf von der Sonne beschienene Gegenstände, sondern fokussiert die Lichtquelle selbst. Dabei fressen sich die Sonnenstrahlen durch Langzeitbelichtung (von wenigen Sekunden bis zu mehreren Stunden) in das empfindliche Filmmaterial ein und zerstören dieses partiell. Die Strahlungsintensität der Sonne und somit die auf Film gebannte Brandspur des Sonnenlaufes ist in manchen Werken überdies durch Bewölkung abgeschwächt oder mehrfach unterbrochen. Das dabei verwendete fototechnische Aufnahmegerät, das Objektiv (Sammellinsen von bis zu einem Meter Durchmesser!), die Kameraeinstellungen, die Filmmaterialien sowie die Technik der Filmentwicklung bestimmen jeweils das Ergebnis.

Nach der Belichtung werden die Filme zum Teil direkt ohne Entwicklung oder Umkehrung vergrössert. Die meist mittels Grossformatkamera oder selbst konstruierten Aufnahmegeräten entstandenen Bilder erfahren dabei keine digitale Verfremdung, sodass die Sonne als Bildproduzent, neben dem Künstler, die letzten Parameter der Werkentstehung massgeblich bestimmt. Durch die zerstörerische Kraft des Lichtes wird gleichfalls Neues geschaffen; ureigene Kosmen unterschiedlicher Farbigkeit, vielfältigster Strukturen und feiner Binnenzeichnung entstehen in den geplatzten, geschmolzenen oder kristallisierten Filmschichten. Zeit und Energie hinterlassen als solche ihre Spuren, brennen sich in den Bildträger ein und werden auf ungesehene Weise sicht- und erfahrbar. (Rebekka Schraner)

Herstellungsjahr: 1996-

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