Tomato Travels
Daniel Rihs
Es ist schwer, sich eine Welt ohne Tomate vorzustellen. Sie ist meistens nur Beilage, aber trotzdem der heimliche Star auf unseren Tellern. Kein anderes Gemüse wird weltweit häufiger angebaut und gehandelt. Sie ist weit mehr als bloss ein Lebensmittel, sondern ein Design- und Kulturprodukt. Ihre Produktions- und Lieferkette führt durch die grossen Themen der Gegenwart: Klimakrise, Globalisierung, Migration und Armut.
In seinem Langzeitprojekt zeigt Daniel Rihs ein Wirtschaftssystem, das die Erde als unablässige Lieferantin normierbarer und patentierbarer Rohstoffe versteht. Seine Expeditionen haben ihn mehrfach nach Spanien geführt, zum Beispiel in die hochindustrialisierte Gemüseproduktion der Region Extremadura. Aber auch nach Hamburg, in die niederländische Provinz Limburg, in die Kantone Aargau und Thurgau und an den Murtensee.
Besonders exemplarisch zeigen sich ökologische und soziale Folgen eines deregulierten Agrarsektors in der andalusischen Provinz Almería. Ein Meer aus Treibhäusern prägt die Landschaft. Dürren sind Dauerzustand, Wasser stammt zunehmend aus Meerwasserentsalzungsanlagen. Landwirtschaft in solchem Ausmass ist ohne Arbeitsmigration nicht möglich. Viele Erntehelfer arbeiten jahrelang illegal, leben in Barackensiedlungen ohne Wasser und Strom und erhalten Löhne weit unter dem gesetzlichen Minimum. Zwischen den Treibhäusern liegen die Forschungszentren der globalen Agrarkonzerne. Patentiertes Saatgut ist ein Milliardengeschäft und bedeutet Monokulturen und Abhängigkeit schafft.
Daniel Rihs‘ Fotografien klagen nicht an, aber sie werfen ein Licht auf die strukturelle Gewalt der globalen Nahrungsmittelproduktion – vom Saatgut bis zur Pelati Dose.
Im Jahr 2023 erhielt Daniel Rihs vom Kanton Bern ein Reisestipendium für sein Projekt Tomato Travels.
Herstellungsjahr: 2021-2026
Gewölbe Galerie
Gewölbe Galerie
Obergasse 4
2502 Biel/Bienne