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Journées photographiques de Bienne, 9.-31.5.2026

The Caspian Lake, for Those Who Remain
Khashayar Javanmardi

Über Jahrhunderte hinweg wurde es als Kaspisches Meer bezeichnet. Doch genau dieses Wort — „Meer“ — hat sein Schicksal entscheidend geprägt und seinen Niedergang beschleunigt. Nach internationalem Seerecht erlaubte diese irreführende Bezeichnung den Anrainerstaaten, seine Gewässer wie ein offenes Meer zu nutzen: durch Ölbohrungen, Verschmutzung und Überfischung, oft ohne ausreichende ökologische Verantwortung. Tatsächlich jedoch ist das Kaspische Meer ein abflussloser See, ein fragiles, in sich geschlossenes Ökosystem ohne natürlichen Abfluss. Sein Fortbestehen hängt davon ab, dass wir es als solches anerkennen — und schützen.

Wissenschaftliche Studien, unter anderem der NASA und unabhängiger Umweltforschungsinstitute, warnen davor, dass der Wasserspiegel des Kaspischen Meeres in den kommenden Jahrzehnten um bis zu zwanzig Meter sinken könnte. Die Folgen wären verheerend: der Zusammenbruch von Feuchtgebieten, Fischereien und Küstengemeinschaften — eine der größten ökologischen Katastrophen unserer Zeit, die die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen in fünf Ländern bedroht.

Der Fotograf Khashayar Javanmardi, der an der südlichen Küste des Kaspischen Meeres aufgewachsen ist und heute in der Schweiz lebt, widmet diesem bedrohten Lebensraum sein langfristiges künstlerisches Projekt Caspian. Seine Arbeit versteht sich nicht nur als Dokumentation einer Umweltkrise, sondern als Impuls für einen Perspektiv- und Systemwechsel. Im Zentrum steht ein bewusst gesetzter Akt: die Umbenennung des Kaspischen Meeres von „Meer“ zu „See“ — ein sprachlicher, rechtlicher und symbolischer Schritt, der die Anrainerstaaten zu gemeinsamer Verantwortung und ökologischer Zurückhaltung verpflichten soll.

Das Projekt entfaltet sich in vier Kapiteln — Southern, Western, Northern, and Eastern Reflections — und zeichnet die Lebensweisen, Kulturen und ökologischen Realitäten entlang des gesamten Seeufers nach. Der erste Teil, Caspian: A Southern Reflection, erschien 2024 beim renommierten unabhängigen Verlag Loose Joints und erhielt internationale Anerkennung für seine poetische wie dringliche Bildsprache über die Beziehung zwischen Mensch und Landschaft. Mit dem zweiten Kapitel, Western Reflexion, setzt Javanmardi seine Reise fort und zeigt, wie sich durch den Rückzug des Wassers sowie durch politische und ökologische Verschiebungen Landschaften und Lebenswelten verändern. In den kommenden Jahren wird das Projekt den gesamten See umrunden und ein umfassendes visuelles und kulturelles Archivbilden — ein Zeugnis von Verlust, Widerstand und Resilienz.

Khashayar Javanmardi agiert dabei zugleich als Zeuge und engagierte Stimme. Seine Arbeit richtet sich gegen globale Gleichgültigkeit und fordert dazu auf, das Kaspische Meer nicht länger als ausbeutbare Ressource zu betrachten, sondern als endliches, verletzliches und lebendiges System, dessen Zukunft eine kollektive Verantwortung darstellt.

In einer Zeit, in der der Iran eine Phase grosser Spannungen durchlebt, ist dieses Werk eine klare Hommage und ein Zeichen der Solidarität mit dem iranischen Volk.

Hestellungsjahr: 2014- Ongoing

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